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Das Geld mit HIV
Vor einigen Jahren starteten 39 internationale Pharmafirmen vor dem höchsten Gericht in Pretoria ein Verfahren gegen die südafrikanische Regierung. Es ging um Aidsmedikamente, um Millionen Aidstote und um viel Geld. U.a die Konzerne Bristol-Myers Squibb, Glaxo Wellcome, Aventis, Novartis, Lundbeck, Bayer, Merck waren beteiligt.

Jeden Tag sterben in Afrika 5.000 Menschen an Aids. In südlichen Afrika sind durchschnittlich 30% der Bevölkerung infiziert. Für die südafrikanische Regierung sind die Pharmafirmen, die obszön hohe Preise verlangen, Hauptschuld an die Verbreitung von HIV. Wie soll jemand, der weniger als 25 Euro im Monat verdient, Medikamente bezahlen, die in Deutschland monatl. 800 Euro und mehr kosten?

Im Jahr 1997 erließ die Regierung unter dem damaligen Präsidenten Nelson Mandela ein Gesetz, das die Möglichkeit schuf, lebenswichtige Medikamente nachzuahmen und selbst billig herzustellen oder zu importieren. Damit sollten die großzügigen, zwanzig Jahre geltenden Patentrechte der Pharmakonzerne ein wenig beschnitten werden. Die Firmen versuchten mit allen Mitteln, das Gesetz zu Fall zu bringen. Die Amerikaner drohten sogar mit scharfen Handelsanktionen. Südafrika bekam mediale Unterstützung von vielen Aids-Gruppen. Trotzdem verklagten Anfang 2001 besagte 39 Firmen die Regierung wegen Verletzung des Patentrechts. Bei der Auseinandersetzung geht es hauptsächlich darum, dass ein Entwicklungsland wie Südafrika sich das Recht sichern will, jedes Medikament im Land so billig herzustellen, dass es sich auch arme Patienten leisten können. Es geht um das globale Menschenrecht auf Medikamente.

Doch die Pharmafirmen haben Geld, Macht, internationale Handelsverträge und Patentrechte auf ihrer Seite. Trotzdem zogen sie ihre Klage zurück, da der Imageschaden von Tag zu Tag grösser wurde. Seither haben sie sich verpflichtet Südafrika billige Aidsmedikamente in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Als einziges Zugeständnis erhielten sie eine Zusage Südafrikas, in die Umsetzung des Gesetzes zur Herstellung kostengünstiger Medikamente eingebunden zu werden. Das Geld, das die Firmen dabei möglcherweise verlieren, können sie leicht verkraften. Denn ihre Gewinne erzielen sie ohnehin auf den drei entscheidenden Pharmamärkten USA, Europa und Japan.

Der Sieg Südafrikas hat aber leider keine globale Wirkung. Die internationalen Handelsverträge werden nicht zugunsten von armen Ländern geändert. Diese werden weiterhin von den Gnade der Mächtigen abhängig sein. Die südafrikanische Regierung hat diese Auseinandersetzung wohl nur deshalb gewonnen, weil es um das Thema Aids ging. Krankheiten wie Tuberkulose, Cholera, Diarrhöe, Billharziose oder Malaria hingegen, die ebenfalls schreckliche Folgen haben, sind kein Thema, die die Welt bewegen. Außerdem wird da kaum nach neuen Medikamenten geforscht, weil keine grossen Gewinne erwartet werden.

Quelle: Klaus Werner und Hans Weiss, Schwarzbuch Markenfirmen, 2003, Verlag Franz Deuticke Uns gehört die Welt