Die Spielregeln

Das System Macht durch Kredite Korruption Weltwirtschaftsdiktatur Wirtschaftsaufbau Dekadenz

Maximale Ausbeutung

Afrika Lateinamerika Balkan Asien

Krieg für Profit

Imperialismus Afghanistan Irak CIA (externer Link)

Macht der Konzerne

Skrupellos&Co Lebensmittel Erdöl Pharmazie Mode Elektronik Konzerngewinne

Widerstand

Venezuela

Immigration

Europa

Erdöl

In keiner Branche werden Menschenrechte so mit Füßen getreten wie im Erdölbusiness. Für ihre Profite aus dem schwarzen Gold finanzieren die Konzerne Kriege, bezahlen Killertruppen und machen ganze Landstriche unbewohnbar.

Nigeria
Ein gutes Beispiel ist Nigeria. Zerstörung ganzer Landstriche, Kooperation mit der Militärdiktatur, Verfolgung von Kritikern etc. Vor allem Shell hat sich einen schlechten Ruf mit ihrer Politik in Nigeria gemacht. Seit 1958, noch unter englischer Kolonialverwaltung, ist Shell der grösste Erdölförderer im Land. Bis 1999 litt Nigeria unter mehreren Militärdiktaturen. Die Konzerne profitierten davon. Denen wird nachgesagt, den Aufstieg der Militärs erst ermöglicht zu haben. Verfolgung tausender Oppositioneller, Massenverhaftungen, Exekutionen und Plünderungen standen an der Tagesordnung.

Durch die Kooperation der Konzerne mit der Militärdiktatur wurden die Reichtümer ausser Landes geschafft und der Bevölkerung Entwicklungsmöglichkeiten entzogen: Die Industrialisierung des Nigerdeltas und die steinzeitlichen Fördermethoden und Anlagen des weltweiten führenden Erdölkonzerns haben die Region auf Jahrzehnte hinaus unfruchtbar gemacht, Fischfang und Landwirtschaft zerstört, Trinkwasser und Luft vergiftet und die potenzielle touristische Nutzung zu einem absurden Ansinnen degradiert.

Im Oktober 1990 kam es zu einem Massaker, als die Einwohner eines betroffenen Dorfes zu Protesten gegen Shell aufriefen. Dabei wurden 495 Häuser zerstört und 80 Menschen ermordet. Ein besonders betroffene Gruppe sind die Ogonis. 1993 gelang es dem "Movement for the Survival of the Ogoni People" zehntausende Menschen gegen den Shell Konzern zu mobilisieren. Die nigeranische Diktatur entschloss brutale Repressionsmassnahmen. Hunderte Ogoni wurden verhaftet und willkürlich hingerichtet. Insgesamt starben 2000 Menschen, geschätzte 80.000 Menschen verloren ihre Häuser.

In den USA wird ein Verfahren gegen Shell angestrebt. Die Vorwürfe: Unterstützung des Militärs mit Geld und logistischer Hilfe um die Bevölkerung zu bekämpfen, die gegen Umweltverschmutzung durch den Konzern protestierte. Anstiftung der Militäregierung zur Folter und Ermordung.usw Inzwischen hat die Firma eingeräumt, man habe 1993 nigerianische Sicherheitskräfte "gezwungermassen" bei mindestens einer Gelgenheit direkt bezahlt. Ausserdem gab Shell zu 1983 Handfeuerwaffen für die Polizeitruppen des Regimes gekauft hatte. Shell geht es mittlerweil natürlich nicht um ein paar Mio Schadenersatzzahlungen, sondern um den Ruf, um das wertvolle Image. So kam es 1995 dazu, dass Shell einlenkte, eine Bohrinsel mit 130 Tonnen Ölschlämmen, Schwermetallen und radioaktiven Abfällen in der Nordsee einfach zu versenken. Greenpeace machte auf den Vorfall aufmerksam und erreichte 1998 ein generelles Verbot der Versenkung von Ölplattformen im Meer durch die Umweltminister der fünfzehn Anrainerstaaten des Nordost-Atlantik.

In den vergangenen 35 Jahren produzierte die Ölindustrie in Nigeria sieben Millionen Kubikmeter Bohrrückstände, die in der unmittelbaren Nachbarschaft der Produktionsstandorte deportiert wurden.Nach offiziellen Zahlen kommt es jährlich zu etwa dreihundert Ölverschmutzungen, bei denen 2.300 Kubikmeter Öl verschüttet werden. Die Weltbank schätzt diese Zahl auf das zehnfache. Die sauren Niederschläge, die durch die Gasfackeln und Ölbrände entstehen, haben niicht nur das Land unfruchtbar gemacht. Tausende Menschen leiden an Krankheiten, die dadurch verursacht werden. 60 Millionen gibt der Konzern nach eigenen Angaben weltweit für Sozialprojekte aus. "Was kostet es denn, wenn Flüsse und Landschaften so verschmutzt sind, dass man damit die Lebensgrundlage der Bevölkerung auf Jahrzehnte vernichtet hat? Die Ogonibewegung Mosop schätzt, das Shell seit Beginn der Ölförderung in dem Gebiet Erdöl im Wert von 35 Milliarden Euro aus dem Boden geholt hat.

Seit Ende der Militädiktatur muss sich Shell mit immer mehr Klagen auseinandersetzen. Als ein Aktivist im Jahr 2000 Shell zur Zahlung einer Wiedergutmachung an die Ogoni aufforderte, wurde kurze Zeit später sein Haus niedergebrannt und Mordanschläge gegen ihn verübt.

Angola
Noch ist Nigeria der wichtigste Erdölieferant in Afrika. Doch schon bald wird es von Angola überholt werden, vor dessen Küste riesige Vorkommen entdeckt wurden. Schon jetzt produziert das Land tägliche eine Millionen Barrel Rohöl. Aus den Einnahmen wird ein Bürgerkrieg finanziert, der seit mehr als 25 Jahren das Land verwüstet. Auch sonst ist Angola ein theoretisch reiches Land. Es besitzt neben dem Erdöl riesige Kupfervorkommen, Diamanten, Gold, Eisen, Baumwolle, Zucker, Reis und Tabak. Einst war es der drittgrösste Kaffeproduzent der Welt. Doch das Muster ist typisch für afrikanische Länder, die reich an Rohstoffen sind : Sie werden schamlos ausgebeutet.

Nach der Festnahme des Sohnes des ehemaligen französischen Präsidenten Mitterand im Jahre 2000, kam die Verwicklung Frankreichs ans Tageslicht. Frankreich kämpfte mithilfe von Waffenhändlern um Einfluss in Afrika , die Kriegsgerät im Wert von mehr als einer halben Milliarden Dollar an den angolanischen Präsidenten geliefert hatten, während die USA noch den Rebellenführer unterstützte. Denn die Ölvorkommen, die US-Firmen vor der Küste Angolas entdeckt hatten, versprechen unglaubliche Profite. Ausgetragen wird dieser Kampf auf dem Rücken der angolanischen Bevölkerung. Etwa zwanzig Erdölkonzerne tummeln sich in den bürgerkriegsgeschüttelten Land und planen in den kommenden Jahren Investitionen in Milliardenhöhe. Sie trugen alle zur Finanzierung des Krieges bei und festigten die Korruption

Sudan
Seit 1956 starben nahezu 2,5 Mio Sudanesen durch Massaker, Krieg, Hunger und Massenvertreibungen. Im Süden bergen Ölquellen bis zu drei Milliarden Barrel Erdöl. Dort stehen sich Truppen des Militärregimes, Einheiten der "Sudanesischen Volksbefreiungsarmee" und verschieden kleine Milizen gegenüber. Multinationale Erdölfirmen sind dabei die Komplizen in der systematischen Entvölkerung großer Teile des Landes sowie in Gräueltaten gegen die Zivilisten. Die Firmen würden mit den Militärs kollaborieren. Im Gegensatz würden die Militärs die Anlagen der Konzerne beschützen und dabei weitere Menschenrechtsverletzungen begehen. "Mit der Ölförderung begann der Krieg. Alle unsere Farmen, alles rund um die Ölfelder wurde zerstört."

Quelle: Klaus Werner und Hans Weiss, Schwarzbuch Markenfirmen, 2003, Verlag Franz Deuticke Uns gehört die Welt