Um westliche Elektronikfirmen und den Bayer-Konzern mit einem wertvollen Metall beliefern zu koennen, schuften in kongolesischen Minen Maenner, Frauen und Kinder. Tausende sterben fuer das Coltanerz, das dazu beitraegt, den "Ersten Weltkrieg Afrikas" zu finanzieren.
Der Kongo ist im Chaos versunken. Rebellenarmeen, auslaendisch Armeen (Ruanda, Uganda)
und die offizielle Armee teilen sich das Land. Kriege, Vertreibungen und Massaker
stehen an der Tagesordnung. Hauptprofiteure sind westliche Chemie- und Elektronikkonzerne,
die das Chaos nuetzen, um die Rohstoffe des Landes auszubeuten. Westliche Industriekonzerne
finanzieren Rebellen und Armeen, um die wertvollen Rohstoffe zu erhalten. Manchmal arbeiten
sie auch Hand in Hand mit ihnen zusammen. Denn es geht um viel Geld.
Seit 1998 hat der Buergerkrieg
ueber 3.5 Millionen Menschen gefordert. Vor allem im Osten, im Rebellengebiet, des Landes tobt der Krieg.
Hier sind auch die wertvollen Rohstoffe vorhanden. Denn der Kongo ist, so absurd es klingen mag,
eines der reichsten Laender der Erde. Gold, Silber, Diamanten, Erdoel, Kupfer, Kobalt, Zinn
und andere begehrte Rohstoffe sind hier massenweise zu finden. Dieser Reichtum fuehrt
auch zur massiven Ausbeutung und grausamen Kriegen. Denn die Hauptfront des Krieges verlauft
nicht zufaellig entlang der grossen Minen.
Der Untersuchungsbericht der UNO vom April 2001 ueber die "illegale Ausbeutung der natuerlichen
Ressourcen der Demokratischen Republik Kongo" bringt es auf den Punkt. "Der Konflikt im
Kongo dreht sich hauptsaechlich um die Kontrolle und den Handel mit mineralischen Ressourcen."
Kriege um Bodenschaetze sind in Afrika nichts neues. Hier geht es oft um Diamanten fuer
den Weltmarkt. Sie wurden unter dem Begriff "Blut-" oder "Konfliktdiamanten" bekannt,
mit deren Verkauf etwa die Rebellenfuehrer von Angola und Sierra Leone ihre Massaker
veruebten. Vor allem der Krieg in Sierra Leone ist fuer seine Grausamkeit und den Einsatz
von Kindersoldaten bekannt. Trotz einem UN Handelsverbot gegen "Blutdiamanten" landeten
diese immer noch in den internationalen Handelshaeusern von Antwerpen, Genf, New York und
Tel Aviv.
Auch im Kongo geht es um Diamanten und andere wertvolle Rohstoffe. Doch in letzter
Zeit trat immer mehr das Metall Tantal in den Vordergrund. Aufgrund seines Einsatzes
in der Handy- und Computerindustrie stieg seine Anfrage rasant. Tantal wird vor allem
fuer Elektrolytkondensatoren eingesetzt, die in den meisten Elektronikartikel gebraucht werden.
Aber auch fuer die Herstellung von Waffen und medizinischen Geraeten wird das wertvolle
Metall verwendet. Der Wert von Tantal stieg von 180 im Februar 2000 auf 950 Euro pro Kilo
im Januar 2001. Treffenderweise ist der Name vom griechischen Gott Tantalus hergeleitet.
Dieser ist in der Unterwelt zu ewigen Leiden verdammt. Es scheint, dass auch der Kongo
sein Leid teilen muss. Bis zu 80 Prozent der Weltproduktion stammen aus dem Kongo. Im
Osten des Landes ist er der begehrteste und damit der am meisten umkaempfte Rohstoff.
Militaers und Rebellenfraktionen streiten um die Vorherrschaft an den Minen. Dort
wird das Erz von der Zivilbevoelkerung- zum Teil von Kindern- mit blossen Haenden und
einfachsten Werkzeugen geschuerft. Von hier gelangt es ueber dubiose Kanaele auf den
Weltmarkt, in Fliegern, die auf den Rueckweg Waffen fuer die Rebellen liefern. Die
Armee beschuetzt Firmen und Individuen, die das Erz foerdern. Diese haben ihre Profite
mit der Armee geteilt, die wiederum das noetige Umfeld schaffen, um die Ausbeutung
fortzusetzen.
Der Hauptabnehmer des kongolesischen Tantals ist eine Tocherfirma des Pharmaziegiganten Bayer. Das Bayer-Unternehmen H.C.Starck verabeitet weltweit mahr als die Haelfte des edlen Metalls und liefert es weiter an die Elekronikindustrie. Die Berliner Tageszeitung, das Schwarzbuch Markenfirmen und die Financial Times Deutschland haben unwiderlegbar nachgewiesen, dass das Bayer-Unternehmen, neben andere wie Samsung, Hauptabnehmer von kongolesischen Tantalerz ist.
Die Bevoelkerung Kongos leidet am Reichtum des Landes. Ein arbeitsloser Lehrer meint: "Es sind die Europaeer und die Amerikaner, die das Tantalerz kaufen und die Waffen bringen. Sie beuten die Reichtuemer unseres Landes aus und lassen unsere Kinder in den Minen fuer ihre Profite sterben." Es sind lokale Militaers und Staatenlenker, die diesen Konflikt entzuendet haben. Doch die westlichen Konzerne giessen Oel ins Feuer und waermen sich die Haende. "Niemand haette was dagegen, dass internationale Firmen ihr Kapital in eine politische Loesung im Kongo investieren", sagt ein Universitaetslehrer aus Goma. "Es haette auch niemand etwas dagegen, dass sie von diesen Investitionen auf lange Sicht profitieren. Doch da wird nichts investiert. Da wird kassiert und weggeschaut."
Quelle: Klaus Werner und Hans Weiss, Schwarzbuch Markenfirmen, 2003, Verlag Franz Deuticke Uns gehört die Welt