Die Spielregeln

Das System Macht durch Kredite Korruption Weltwirtschaftsdiktatur Wirtschaftsaufbau Dekadenz

Maximale Ausbeutung

Afrika Lateinamerika Balkan Asien

Krieg für Profit

Imperialismus Afghanistan Irak CIA (externer Link)

Macht der Konzerne

Skrupellos&Co Lebensmittel Erdöl Pharmazie Mode Elektronik Konzerngewinne

Widerstand

Venezuela

Immigration

Europa

Vietnam

Der Krieg gegen Vietnam ist noch nicht vorbei. Nach der militärischen Zerstörung kam die wirtschaftliche. 1993 wurde ein Abkommen in Paris getroffen. Dabei wurde von der vietnamesische Regierung als Voraussetzung für neue Kredite (1,86 Mrd) und die Aufhebung des US-Embargos eine Übernahme der Schulden des gestürzten Saigon-Regimes verlangt. Die Regierung musste also die Schulden des Feindes übernehmen. Das war so , als hätte man von Vietnam Entschädigung für den Krieg gegen die USA verlangt. Vietnam akzeptierte sogar die Bedingungen und musste den Zahlungsrückstand von 140 Mio sofort an den IWF zahlen. Das Geld hat die Regierung wiederum von Frankreich und Japan geliehen. Vietnam erhielt nie Reparationszahlungen. Eine neue Phase wirtschaftlicher und sozialer Vernichtung hat begonnen, die ohne Entlaubungsmittel, Splitter- und Napalmbomben auskommt.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion schwächte die Wirtschaft des kommunistischen Vietnam. So wurde der Neoliberalismus zur offiziellen Doktrin Vietnams. Der IWF und die Weltbank änderten das wirtschaftliche und gesellschaftliche System des Landes. Hinweise auf die brutale historische Rolle der USA verschwinden immer mehr. Seit der, von der Partei ausgerufenen, "Erneuerung"(Doi moi) 1986 wurde die vietnamesische Währung destabilisiert und die heimischen Preise wurden "dollarisiert". Vietnam wird von Dollarnoten überschwemmt, sie haben den heimischen Dong bereits als Anlagewährung ersetzt. De facto hat die US-Notenbank die Aufgaben der vietnamesischen Zentralbank übernommen. Sie kontrolliert die Geldemission, denn sie gewährt dem Land in massiven Umfang eigene Kredite. Die Wirtschaftsreformen des IWF und der Weltbank haben die üblichen Resultate: steil ansteigende Lebensmittelpreise, Hungersnöte, massive Entlassungen und die Zerstörung der Sozialprogramme.

Zerstörung der Volkswirtschaft
Bis 1994 wurden mehr als 5000 von 12.300 Staatsbetrieben geschlossen. Fast eine Millionen Arbeiter und 136.000 Staatsbedienstete wurden bis Ende 1992 entlassen. Bei steigenden Preisen waren die Realeinkommen jener, die noch Arbeit hatten, auf ein erbämlches Niveau gefallen. Die Staatsbediensteten konnten von ihren Gehalt über 15 Dollar im Monat nicht überleben, so dass sie Nebenjobs annahmen und die Koruption wucherte. Die Umstrukturierung des staatlichen Bankenwesens und der Finanzinstitute einschließlich der Kreditkooperativen auf Gemeindeebene bewirkte, dass alle mitel- und langfristigen Kredite für heimische Produzenten eingefroren wurden. Kurzfristige Kredite gab es nur gegen 35% Zinsen pro Jahr. Ausserdem war es dem Staat unter der mit dem IWF ausgehandelten Vereinbarung nicht erlaubt, die staatseigenen Betriebe oder den aufkeimenden Privatsektor finanziell zu unterstützen. Der Untergang der staatlichen Wirtschaft war auch die Folge eines diskriminierenden Steuersystems: Während die Staatsunternehmen als Erbe des alten Plansystems weiterhin 40-50% ihrer Gewinne als Gewinnsteuer abführen mussten, genossen ausländische Investoren und Joint Ventures großzügige Ausnahmen und Steuerbefreiungen.

Die Reformen zerschlugen nicht nur die staatliche Wirtschaft, sie verhinderte auch den Übergang zu einem nationalen Kapitalismus. Schwerindustrie, Öl und Gas, natürliche Ressourcen und Bergbau, Zement- und Stahlproduktion sollten neu organisiert und von ausländischen Kapital übernommen werden, wobei japanische Konzerne die entscheidende Rolle spielten.

Ein besonderes Beispiel für wirtschaftliche Manipulation durch Marktreformen ist die vietnamesische Stahlindustrie. Beinahe acht Millionen Tonnen Bomben und hinterlassene Ausrüstung hatten Vietnams Schwerindustrie mit reichlich Metallschrott versorgt. Das war der einzige fassliche Beitrag der USA zum Wiederaufbau der Nachkriegszeit, und die Ironie der Geschichte ist, dass ebendieser "Beitrag" durch die Politik der "offenen Tür" wieder zurückgenommen wurde: Große Mengen von Metallschrott wurden frei ausgeführt, zu Preisen die weit unter dem Weltmarktniveau lagen. Während die Produktion in den fünf großen Stahlwerken Vietnams wegen Rohstoffknappheit ins Stocken geriet, wurde 1994 mit einem japanischen Konsortium ein Joint Venture gegründet, das nun Metallschrott zu Weltmarktpreisen zurück nach Vietnam importierte.

Schwächung des Handels
Die heimischen Produzenten wurden bewusst von ihrem eigenen Markt verdrängt. Zölle wurden beseitigt und die vietnamesische Industrie großenteils von einem massiven Zustrom importierter Konsumgüter verdrängt. Bekleidungshersteller, die mit billigen Arbeitskräften arbeiten und als Subunternehmen für ausländische Konzerne arbeiten, exportieren gewöhnlich ihre gesamte Produktion. Im Gegensatz dazu wird der heimische Markt mit importierter Gebrauchtkleidung und Fabrikausschuss aus Hongkong beliefert, was zum Verschwinden von Kleinproduzenten geführt hat.

Durch das von der Weltbank verordnete Einfrieren des Budgettransfers von der Zentralregierung an die Provinzregierungen waren die Provinzen zunehmend "frei", um ihre eigenen Investitionen und Handelsbeziehungen zu ausländischen Unternehmen aufzubauen, zum Schaden des Binnenhandels. Sie stellten ausländischen Investoren Land zur Verfügung und gewährten Konzessionen, die es ausländischem Konzernen vollkommen unreguliert erlaubten, Vietnams Ressourcen auszubeuten. Angesichts des stark gekürzten Haushalts , stellten diese Vereinbarungen häufig die einzigen Mittel dar, mit denen Provinzregierungen ihre Ausgaben decken konnte.

Hunger
Die von der IWF forcierte Produktion von Exporterzeugnisse (Kaffee, Cashewnüsse, Maniok, Baumwolle) führte mit dem Absturz der Weltmarktpreise und den hohen Kosten für importierte landwirtschaftliche Einsatzgüter zum Ausbruch regionaler Hungersnöte. Durch die vollständige Deregulierung des Getreidemarktes, wo der Verkauf nun in der Hand von privaten Händler war, stiegen die heimischen Preise. Obwohl Reis unter Weltmarktpreisen ausgeführt wurde, kam es in Gebieten, in denen der Reisanbau zugunsten der Exportwirtschaft aufgegeben worden war, zur Mangelversorgung. Es war für die privaten Firmen auch lukrativer, Reis und Grundnahrungsmittel zu exportieren, als in Gebieten mit Nahrungsmittelmangel zu transportieren.

Natürlich war es für die Bauern besonders schwer ohne Subventionen und mit höheren Kosten für den Transport, Saatgut und Dünger, welche privatisiert wurden, zu überleben.

Zerstörung des Bildugs- und Gesundheitswesens
1975 lag die Alphabetisierungsrate in Vietnam bei 90%. Die Wirtschaftsreformen haben das Erziehungsystem durch massive Kürzungen des Bildungsetat, Senkung der Lehrergehälter und die Kommerzialisierung von weiterführenden Schulen zerstört. In der Verfassung von 1992 ist die Pflicht zur Entrichtung von Schulgeld verankert. Im Jahr nach der Einführung von Schulgeld verringerte sich die Schülerzahl um eine Millionen. Der Staat gibt jährlich drei Dollar pro Kind für die Bildung aus.

Bis 1989 stellten die Gesundheitseinrichtungen der Bevölkerung medizinische Beratung und Arzneimittel kostenlos zur Verfügung. Mit den Reformen wurden ein Gebührensystem, das Prinzip der Kostendeckung und der Verkauf von Arzneimittel auf dem freien Markt durchgesetzt. Der Verbrauch wichtiger Medikamente nahm um 89% ab, die heimische pharmazeutische Industrie ging bankrott. 1989 ging die Produktion von Pharmazeutika im Verhältnis zu 1980 um 98,5% zurück. Ein weiterer Hauptgrund war die Übernahme dieser Sparte durch multinationale Pharmaziekonzerne. Desweiteren strich die Regierung unter Anleitung der Kreditgeber auch die Unterstützung für medizinische Ausrüstung und Wartung zusammen. Das Monatsgehalt eines Arztes in einem Distriktkrankenhaus lag 1994 unter 15 Dollar im Monat. Eine Untersuchung 1991 ergab, dass die meisten Gesundheitszentren in den Gemeinden nicht mehr funktionsfähig waren. In Vietnam leben seither gefährliche Infektionskrankheiten wie Malaria, Tuberkulose und Durchfallerkrankungen wieder auf. Die Weltbank drängte auf die Kommerzialisierung der staatlichen Programme zur Eindämmung von Durchfallerkrankungen, Malaria und Tuberkulose. In den ersten vier Jahren der Reformen hatte sich die Zahl der Malariatoten verdreifacht- bei einem steilen Preisanstieg für Malariamittel.