Die Spielregeln

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Somalia

Somalia war Anfang der 90er Jahre einer massiven Hungerplage ausgesetzt. 1993 führte das US Militär die Operation "Restore Hope" durch, um "der verarmten Bevölkerung Somalis zu Hilfe zu kommen". Dabei starben nach Schätzungen 8.000-10.000 Menschen. Die tödlichen Reformen, welche die ausländischen Gläubiger Somalia in den Jahren vor der Krise aufgezwungen hatten, wurden nie erwähnt...

Somalia war eine ländliche Tauschwirtschaft von Kleinbauern und Hirtennomaden, in der die Hälfte der Bevölkerung nomadisch lebte. Bis in die 70er Jahre konnte sich das Land praktisch selbst mit Nahrungsmittel versorgen. Danach kamen die Wirtschaftsreformen und mit ihr die kommerzielle Viehaltung- begünstigt durch die Privatisierung von Brunnen und Weideland- wodurch die Hirten zu verarmen begannen. Wiederrum wurde das beste Ackerland für den Anbau von Produkten für den Export verwendet (Baumwolle, Ölsamen...), was den Kleinbauern das Leben erschwerte.

1983 machten die Viehverkäufe etwa 80% der Exporteinnahmen aus, v.a in die arabischen Golfstaaten. In den frühen 80er Jahren stiegen als Folge der Währungsabwertung die Preise für importierte Tierarzneimittel. Die Weltbank ermutigte die Regierung dazu, von den Hirten Gebühren für die Impfung des Viehs zu erheben. Die Veterinärleistungen wurden privatisiert. Davor hatte das Viehministerium die Funktion zur Überwachung der Viehbestände, die ja eine Hauptquelle des Exportvolumens war. Die Privatisierung der Wasserversorgung und die fehlenden Notreserven für die Fütterung der Viehherden führten ebenfalls zur Dezemierung des Viehbestandes. So führten die Reformen zur Zerstörung der Haupteinnahmequelle Somalias, was einen grossen Vorteil für die EU und USA brachte, da sie jetzt anstatt Somalia die Golfstaaten mit subventionierten Fleischwaren beliefern konnten und Somalia mit Überschussgetreide.

Mitte der 80er Jahre stieg die Nahrungsmittelhilfe um das 30fache im Vergleich zu 10 Jahre davor. In Verbindung mit den gestiegenen Warenimporten führte die Einfuhr von billigen Überschussgetreide und Reis zur Verdrängung der restlichen lokalen Erzeuger und zu einer bedeutenden Veränderung der somalischen Feldfrüchte Mais und Sorghumhirse.

Der vom IWF erzwungenen Abwertung des somalischen Schillings folgten weitere Abwertungen, die zu einem Preisanstieg von Kraftstoff, Dünger und anderen landwirtschaftlichen Einsatzgütern führten. Staatliche Subventionen wurden gekürzt (die Ausgaben für die Landwirtschaft sanken um 85%), die Infrastruktur brach zusammen, die Deregulierung des Getreidemarktes und der Zustrom von ausländischen Nahrungsmittel führten zur Verarmung der baüerlichen Gemeinden. "Hilfe" gewährten die Gläubiger ausserdem nicht in Form von Kapital und Ausrüstungsgütern, sondern nur als Nahrungsmittelhilfe.

Durch die Wirtschaftsreformen und den aufgezwungenen Sparmassenahmen brachen die Gesundheits- und Erziehungsprogramme zusammen. Im Vergleich zu 1978 nahmen die Ausgaben im Gesundheitswesen 1989 um 78% ab. Von 1981 bis 1989 sanken die Schülerzahlen trotz eines beträchtlichen Anstieges der Kinder. Fast ein Viertel der Grundschulen mussten geschlossen werden, und die Gehälter der Lehrer sanken auf ein jämmerliches Niveau. Die Gehälter der Staatsbediensteten sanken 1989 im Vergleich zu 1975 um 90%! Der Durchschnittsgehalt war auf drei Dollar im Monat gefallen.

1989 betrugen die Verpflichtungen aus dem Schuldendienst 194,6% der Exporteinnahmen. Der Kredit des IWF wurde wegen des Zahlungsrückstands gestrichen. Die Zahlungsrückstände an die Kreditgeber sollten vor Bewilligung neuer Kredite und Umschuldungsverhandlungen erst einmal beglichen werden. Somalia steckte somit in der Zwangsjacke von Schuldendienst und struktureller Anpassung der neoliberalen Institutionen .