Die Spielregeln

Das System Macht durch Kredite Korruption Weltwirtschaftsdiktatur Wirtschaftsaufbau Dekadenz

Maximale Ausbeutung

Afrika Lateinamerika Balkan Asien

Krieg für Profit

Imperialismus Afghanistan Irak CIA (externer Link)

Macht der Konzerne

Skrupellos&Co Lebensmittel Erdöl Pharmazie Mode Elektronik Konzerngewinne

Widerstand

Venezuela

Immigration

Europa

Bangladesh

Im August 1975 putschte in Bangladesch das Militär mit Hilfe der CIA und installierte eine Militärjunta. Schon Monate davor hatte das US-Außenministerium ein Plan für "einen stabilen politischen Übergang" ausgearbeitet. Nach dem Sturz des Präsidenten Rahman machten die USA weitere Hilfe von der Bedingung abhängig, dass Bangladesch der vom IWF verordneten Politik treu bliebe. Der Staatsapparat unterstand der festen Kontrolle der internationalen Finanzorganisationen. Der IWF hatte sein Verbindungsbüro in der Zentralbank, die Weltbank war mit Beratern in den meisten Ministerien präsent. Die vom IWF finanzierten Wirtschaftsreformen trugen zur Entstehung einer Rentier-Wirtschaft bei, die von nationalen Eliten kontrolliert wurde und weitgehned vom Aussenhandel und von der Zweckentfremdung von Hilfsgeldern abhing. Die IWF-Reformen hatten das gleiche Muster wie bei den anderen Ländern.

Nun hatte also das "Hilfskonsortium" die Kontrolle über die öffentlichen Finanzen von Bangladesch übernommen.Dies geschah jedoch nicht nur durch die Erzwingung einer strengen Steuer- und Geldpolitik. Die Kreditgeber überwachten die Verwendung der Geldmittel und die Entscheidungen über Projekte auch direkt. Darüber hinaus gewann die Weltbank durch die Vereinbarungen über einen Kredit zur Verwaltung der öffentlichen Ressourcen die Kontrolle über den gesamten Haushaltsplan.

Zerstörung der Selbstversorgung
So wie in anderen Ländern erzwang der IWF die Streichung von Subventionen für die Landwirtschaft, und trug so dazu bei, dass eine Vielzahl von Kleinbauern verarmten. Da ausserdem die Kleinbauern keine Kredite mehr bekamen, konnten die Besitzer von Bewässerungsgeräte ihre Position stärken. Außer der Vernachlässigung der landwirtschaftlichen Infrastruktur verlangten IWF und die Weltbank die Liberalisierung des Handels und die Deregulierung des Getreidemarktes. Diese Politik war für die Stagnation des heimischen Nahrungsmittelanbaus mitverantwortlich.

Eine besonderer Rückschlag für Bangladesch war die Zerstörung der Juteindustrie. Die Juteindustrie war eine der Haupteinnahmequelle des Landes, trotz synthetischer Konkurenzprodukte von multinationalen Firmen. Der IWF forderte als Bedingung für seinen Strukturanpassungskredit die Schließung von einem Drittel der Jutebetriebe und der Enlassung von 35.000 Arbeitern.

Die USA nutzten die Deregulierung des Getreidemarktes auch dazu, sich unter dem Deckmantel der "Nahrungsmittelhilfe" ihrer Getreideüberschüsse zu entledigen. Das Programm "Nahrung für Arbeit" unter Federführung von USAID sollte öffentliche Arbeiten in den Dörfern finanzieren. Doch indem man die verarmten Bauern mit Getreide statt mit Geld entlohnte, destabilisierte man zugleich die lokalen Getreidemärkte. Das steigerte die Abhängigkeit von importierten Getreide.

Das in mehreren Phasen durchgeführte Strukturanpassungsprogramm versetzte dem industriellen Sektor des Landes einen tödlichen Schlag. Die multinationalen Firmen machten sich den Überfluss an billigen Arbeitskräften für den Export zu Nutzen. Aus der Sicht des IWF sollte die Bekleidungsindustrie die Hauptquelle städtischer Beschäftigung bilden. 1992 gab es etwa 300.000 Arbeiter in der Bekleidungsindustrie, zu 70% Frauen. 74% dieser Beschäftigten kamen aus verarmten ländlichen Gebieten, 16% der Beschäftigten in den sog. Sweatshops waren Kinder zwischen 10 und 14 Jahren. Die Löhne lagen, Überstunden inklusive, bei etwa 20 Dollar im Monat. 1992 wurde eine öffentliche Versammlung von Arbeitern der Bekleidungsindustrie von den Sicherheitskräften brutal unterdrückt. Bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne würde die multinationalen Konzerne abschrecken.

Mit einer Bevölkerung von 130 Mio gehört Bangladesch zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Pro-Kopf Einkommen lag 1991 bei 170 Dollar im Jahr. Die jährlichen Gesundheitsausgaben beliefen sich auf etwa 1.5 Dollar pro Kopf. Das "Hilfskonsortium" betrachteten die Sozialausgaben dennoch als übertrieben. 1992 und 1993 forderte es von der Regierung eine weitere Budgetkürzung im Sozialbereich. In mehreren Regionen des Landes herrscht chronischer Hunger. Bangladesch wird regelmäßig von Flutkatastrophen heimgesucht. 1991 starben 140.000 Menschen in der Flut. Die meisten von ihnen waren landlose Bauern, die in regelmäßig von Überschwemmungen bedrohte Gebiete verdrängt worden waren.