Der schwarze Kontinent hat in den letzten Jahren durch Hungerkatastrophen und Kriege Schlagzeilen gemacht. Mittlerweile verknüpfen viele Europäer Afrika mit Hunger, Konflikte und Massenmigration. Die Rolle der Globalisierung bei diesen Katastrophen findet aber selten einen Platz in den Medien, obwohl sie neben HIV und den Folgen des Kolonialismus ein Hauptgrund der afrikanischen Misere ist.
In ganz Afrika zerstören IWF- und Weltbankprogramme die nomadische und kommerzielle Viehhaltung sowie die eigenständige Grundnahrungsmittelversorge. Durch die Privatisierung von Grund und Boden kommt dieser in den Besitz von Großgrundbesitzern. Diese benützen das fruchtbare Land für den Anbau von Gütern wie Blumen und Tabak für die Exportwirtschaft, ganz nach den Vorstellungen von IWF und Weltbank. Das führt dazu, dass es zu einen Engpass an Grundnahrungsmittel kommt. Das Land wird gezwungen ausländische Lebensmittel einzukaufen bzw. erhält Nahrungsmittelhilfen, welche die Preise für die heimischen Produkte drücken, und die Misere verschlimmern. So werden die EU und US-Landwirtschaft ihre Überproduktion los, und verkauft zb. ihren Mais und Getreide unter den Produktionspreis. Die Nahrungsmittelhilfe für die Subsaharastaaten wuchs seit 1974 um mehr als das Siebenfache, die Getreideimporte haben sich mehr als verdoppelt. So kam es auch, dass der zollfreie Import von subventionierten Rindfleisch und Milchprodukten aus der EU zur Vernichtung der afrikanischen Weidewirtschaft führte. Europäische Rindfleischimporte nach Westafrika nahmen seit 1984 um das siebenfache zu. EU-Rindfleisch wird zum halben Preis des lokal produzierten Fleisches verkauft.
Ironischerweise ist Hunger im späten 20 Jahrhundert keine Konsequenz von Nahrungsmittelknappheit, sondern von dem globalen Überangebot an Getreide. Auf den ganzen Kontinent richtet sich das Muster der neoliberalen Reformen in der Landwirtschaft die Zerstörung einer gesicherten Ernährung.
Ein fataler Aspekt des Weltbankprogramms ist die Kommerzialisierung des Wassers. Es wird zur Ware, die an verarmte Bauern verkauft wird. Aufgrund fehlender Mittel waren die Staaten gezwungen, sich aus der Bewirtschaftung und Bewahrung des Wasserressourcen zurückzuziehen. Dies führte zur Privatisierung und fürte somit zum Zusammenbruch der gesicherten Nahrungsmittelversorgung.
Der landwirtschaftliche Sektor in den Entwicklungsländern hat ein weit höheren Anteil an dem BIP als im Westen. Doch durch die neoliberalen Reformen wird die Wirtschaft des Landes nach den Interessen der Gläubiger umstrukturiert. Statt Mais und Getreide werden Blumen, Tabak, Kaffee usw für die Exportwirtschaft angebaut. Anders gesehen profitieren die Gläubiger und die multinationalen Konzerne von den Hungerkatastrophen und Rückständigkeit der Entwicklungsländer.
Ein paar kurze Beispiel hierzu: Simbabwe, das einst als Brotkorb Südafrikas galt, wurde 1992 von der Hungersnot und Dürre im südlichen Afrika hart getroffen. Die Ernteerträge von Mais sanken um 90%. Doch ironischerweise erlebte der für den Export angebaute Tabak- unterstützt durch moderne Bewässerung, Kredite und Forschung - auf der Höhe der Dürre eine prächtige Ernte. Während der Hunger die Bevölkerung zwang, Termiten zu essen, floss ein Großteil der Exporteinnahmen von Simbabwe in den Schuldendienst der Auslandsschulden.
Unter den Strukturanpassungen geben die Bauern zunehmend den traditionellen Nahrungsfeldbau auf. So auch in Malawi. In dem Land, einst Nettoexporteur von Nahrungsmitteln, fiel die Maisproduktion um 40%, während sich der Tabakanbau zwischen 1986 und 1993 verdoppelte. 150.000 Hektar Land wurden für die Tabakkultivierung umgewidmet.
Afrika und die drei Wellen der Globalisierung