Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern haben die Wirtschaftsreformen in Äthiopien den Staat in den Ruin getrieben. Zusätzlich zur Dürre wurde Ende des 20.Jhd durch die strengen Massnahmen des IWF eine Hungerkatastrophe ausgelöst; in einem Land, dass bis vor kurzem Überschussgetreide produzierte. Ein weiterer Grund für den Untergang der Landwirtschaft ist die aggressive Patentierung des Saatguts, wofür die Bauern teuer bezahlen müssen.
1996, kurz vor der Hungerkatastrophe, verlangte die Weltbank, dass Äthiopien den Getreideüberschuss (1 Mio Tonnen) verkauft, um den Schuldendienst nachzukommen, anstatt einen Teil des Überschussses als Notreserve für Dürrezeiten anzulegen. 1999 und 2000 kam es, ohne Getreidereserven, zu einer Hungerkatastrophe bei der hunderttausende Menschen starben. Profitiert davon haben wieder einmal die Agrarkonzerne des Westens, die ihr Getreide massenhaft verkaufen konnten. Der Weltmarkt hatte somit die Getreidereserven Äthiopiens konfisziert.
Sogar in Gebieten, in denen Getreide in Überschussmengen produziert wurde, kam es zu tausenden Hungertoten. Einfach weil die Wirtschaftsreformen mitsamt seiner Sparmassnahmen und Währungsabwertung die Menschen verarmen ließ. Sie konnten sich keine Grundnahrungsmittel leisten. In der Provinz Amhara lag die Getreideproduktion 1999 und 2000 um 20% über den Bedarf. In Oromiya gab es 600.000 Tonnen überschüssiges Getreide. Trotzdem wurde von der IWF geschätzt, dass 300.000 Tonnen Nahrungsmittelhilfe nötig wären, um den Tod von Millionen Äthiopiern zu vermeiden. So konnten internationale Agrarkonzerne noch mehr Getreide nach Äthiopien exportieren.
Neben der Streichung für Subventionen für die Landwirtschaft, Deregulierung der Landwirtschaft und zollfreien Import von US-Überschussgetreide, Privatisierungen, Verarmung der Bauern durch Sparmassnahmen und Verteuerungen führte auch die Patientierung von gentechnisch veränderten Saatgut zur Zerstörung des landwirtschafltichen Sektors. Ein Großteil der Nahrungsmittelhilfen besteht aus gentechnisch veränderten Mais. Die Hilfslieferungen dienten den Nahrungsmittelgiganten gleichzeitig als Einfallstor, um die Kontrolle über Äthiopiens Saatgutbanken zu erringen. "Afrika", so stellte die Umweltorganisation Biowatch Südafrika fest, "wird als Mülleimer der Welt behandelt...Ungetestete Nahrungsmittel und Saatgut zu spenden ist kein Akt der Freundlichkeit, sondern ein Versuch, Afrika noch weiter in die Abhängigkeit von ausländischer Hilfe zu locken". Die Privatisierung führte dazu, dass mächtige US-Firmen in der Saatgutvermarktung und Düngeproduktion eine Monopolstellung erhielten. Während Pioneer Hi-Bred sich in der Saatgutverteilung positionierte, drang Cargill Inc. in den Markt für Getreide und Kaffee ein. Die Agrarkonzerne eigneten sich die traditionelle Saatgutvielfalt Äthiopiens an, veränderten sie gentechnisch und ließen sich die veränderten Sorten patentieren. Die Äthiopier mussten für ihr eigenes Saatgut tief in die Tasche greifen. Der traditionelle Tausch von Saatgut unter den Bauern sollte im Rahmen des Weltbankprogrammes durch ein marktorientiertes System privater Saatgutproduzenten und -verkäufern ersetzt werden. Äthiopiens Artenvielfalt an Saatgut wurde zum Nutzen der Biotech- Firmen zertört.
Der Rural Advancement Foundation zufolge verdienen US-Landwirte bereits jedes Jahr 150 Mio Dollar durch den Anbau von Gerstensorten, die aus äthiopischen Stämmen entwickelt wurden. Doch niemand in Äthiopien schickt ihnen einen Rechnung.
Nach der Dürre von 1985 beschloss die äthiopische Regierung ein Pflanzenforschungszentrum zu starten, welches mit Hilfe der NGO Seed of Survival ein Programm zur Bewahrung der äthiopischen Artenvielfalt führte. Deren Ziel ware "die Bewahrung und Verbesserung der Feldfrüchte in den ländlichen Gemeinden mit unterstützenden Diensten des Staates". Nach den Reformen wurde das Programm beendet.
1991 lagen die Auslandsschulden Äthiopiens bei neun Mrd Dollar. Vor allem der Grenzkrieg mit Eritrea hatte viele Ressourcen verschlungen. Mit Unterstützung des US-Aussenministeriums verordnete die IWF dem Land die übliche bittere Medizin. Während der Sozialetat im Rahmen der Strukturanpassungen zusammengestrichen wurde, vervierfachten sich die Militärausgaben seit 1989. Da die USA beide Seiten des äthiopisch-eritreischen Krieges unterstützte, stiegen die US-Waffenverkäufe sprunghaft. Die Beute teilten sich die Waffenproduzenten und die Konzerne der Agararindustrie. Aufgrund der wachsenden Militärausgaben, welche mit geborgtem Geld finanziert wurde, floss nun die Hälfte der äthiopischen Exporterlöse in den Schuldendienst.